Unsere Seelen bei Nacht – Our Souls at Night von Kent Haruf

„Es geht nicht um Sex. Es geht nur darum, die Nacht zu überstehen. Zu reden, zusammen im Bett zu liegen. Die ganze Nacht!“ – Addie Moore

Auf der diesjährigen Viennale vor 5 Wochen wurde der von netflix produzierte Film des verstorbenen Schriftstellers Kent Haruf vorgestellt. Netflix setzt mittlerweile auf hochwertigere Verfilmungen mit richtigen Stars. Jane Fonda und Robert Redford zählen zur absoluten Oberliga in Hollywood. Im Diogenes Verlag ist das dazugehörige Buch zu erhalten.

Handlung:

Addie Moore und Louis Waters sind Nachbarn in einer Kleinstadt in Colorado. Beide leben allein, die Kinder sind bereits lange aus dem Haus und ihre jeweiligen Lebensgefährten sind schon vor Jahren gestorben. Addie, die sich vor allem nachts sehr einsam fühlt und schlecht schläft, besucht abends ihren Nachbarn Louis, um ihm einen Vorschlag zu machen.

Sie möchte, dass er neben ihr schläft – ohne Sex. Einfach nur um die langen und leeren Nächte zu überstehen. Natürlich bleibt die „Nichtliaison“ im kleinen Städtchen nicht unbemerkt. Ob Nachbarn oder Freunde, ja sogar Addies am Leben gescheiterter Sohn glauben, ein Mitspracherecht in dieser sich langsam entwickelten Beziehung zu haben.

Der einzige, der die Beziehung nie in Frage stellt und von Anfang an glücklich mit allem zu sein, ist Addies Enkel. Seine Mutter ist dem gescheiterten Vater weggelaufen und er findet zum ersten Mal wieder etwas Halt in seinem Leben.

Gene, Addies Sohn, ist voll Wut über sein eigenes Leben und ereifert sich wirklich seiner Mutter vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat.

 


Jane Fonda in naturgrau  – ausdrucksstark, voll Elan. Ganz anders als in der aalglatten Werbung für Feuchtigkeitscreme. Diese Frau ist 79! Und noch immer eine der schönsten Schauspielerinnen der Welt.

Robert Redford – mit 81 immer noch ein wunderschöner und ausdrucksstarker Schauspieler, der geradezu in seiner Rolle aufgeht. Er ist und bleibt ein Charmeur und wird es auch noch mit 100 sein.

Kurzum – es gab für mich selten eine so gelungene Umsetzung eines Buches, wie dieses. Sie hat mir wieder gezeigt, wie gut Verfilmungen gelingen können. Und sie mahnt uns, Menschen jeglichen Alters in ihrem Handeln zu akzeptieren ohne mit dem erhobenen Finger dazu stehen oder in deren Vergangenheit zu wühlen.
Denn ohne Fehler ist niemand auf der Welt.

 

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