Die kleine Stimme – Joss Sheldon

Die kleine StimmeDie kleine Stimme by Joss Sheldon
My rating: 5 of 5 stars

„Die kleine Stimme“ ist ein Buch eines Außenseiterautor, der sehr viel persönliches in dieses kleine Story einfließen ließ.

„Die kleine Stimme“ – der Egot – wohnt wohl in jedem von uns in unseren Kindertagen. Er sorgt dafür. dass wir genau das Gegenteil von dem machen, was wir eigentlich sollen. Er lässt uns als Kind Dinge erleben, unsere Freiheit genießen , uns Verrücktheiten machen. Er sorgt dafür, dass unsere Kindheit mit Abenteuern bestückt ist, mit Irrsinn und Spass.

Alles Dinge, die für die Erwachsenen ein NoGo sind. Schließlich sind wir eine geordnete Gesellschaft und da funktionieren die Dinge halt anders. Also beginnen die Erwachsenen uns zu verbiegen, uns „zu formen“. In Hundehalterkreisen heißt ein solches Verhalten „operante Konditionierung“.

(Als operante Konditionierung wird ein Lernvorgang bezeichnet, bei dem ein bestimmtes (spontan gezeigtes) Verhalten von Mensch oder Tier durch ein nachfolgendes Ereignis verstärkt wird und in der Folge deshalb häufiger gezeigt wird. Man kann positiv oder negativ verstärken. Benimmt sich ein Hund gut, erhält er ein Leckerli – eine Belohnung. Tut er es nicht, bleibt das Leckerli aus.)

Dem Protagonisten Yew wird im Schulalter klargemacht, dass er nur dann Belohungen erhält, wenn er sich gut und gesellschaftskonform benimmt. Tut er es nicht, wird er bestraft.
Bsp. Sein Vater bezahlt ihm alle Ausgaben, wenn er es schafft auf eine Uni zu gehen. Tut er es nicht, fliegt er achtkantig raus und verliert sein zuhause

Seine Lehrer und seine Eltern tun alles, damit er sich in die Gesellschaft einfügt. Die inneren Kämpfe, die dabei ausgefochten werden, das sterben des Egots -der eigentlichen Persönlichkeit des Kindes – bleibt ihnen verborgen.

So wird aus dem freiheitsliebenden Kind nach vielen erfolglosen Berufsversuchen (Denn es kann ja nichts richtig. Wie auch. Es wurde ja immer ausgebremst beim Versuch, sich selbst zu finden.) ein Callcenteragent in einer Firma, die arme Omas um die wohlverdiente Rente bringt, in dem sie noch einen Euro mehr in einen Charityfond spenden.

Der Berufsweg von Yew ist unbefriedigend. Er ist immer auf der Suche. Bis ihm plötzlich durch die Schriften des Gelehrten Lao Tzu (Laotse) klar wird, wo die Reise hingehen soll.
Lao Tzu (Laotse) war ein Gelehrter im 6. Jahrhundert in China. Er war ein Vertreter der normativen individualistischen Theorie. Im Mittelpunkt dieser Theorie steht das Individuum mit seinen Belangen bzw. Interessen.

Yew wird bewusst, dass immer andere seinen Weg bestimmt haben. Von seinen Eltern und Lehrern angefangen bis zu seinen Chefs, die ihn durch den Besuch in einem Bordell (was der Protagonist verabscheut) zu einem aufrechten Mitarbeiter zu machen.

Yew wählt nun einen ganz anderen Weg für sich. Weitab von Gesellschaft und den Menschen die zu wissen glauben, was richtig und falsch ist.

********************

Ein großatiges, kleines Buch. Es ist ein Spiegel der heutigen Gesellschaft. Denn wir formen bis heute unsere Kinder nach unseren Vorstellungen, statt ihnen Raum zur selbständigen Entwicklung zu geben. Sie sollen „unsere“ Anwaltskanzlei übernehmen, obwohl sie lieber Forscher oder Fussballer werden würden.

Warum vertrauen wir unseren Kindern nicht mehr in ihrer Entscheidungsfindung? Auch wenn sie noch klein sind, so sind sie eigene Persönlichkeiten, die ein Recht darauf haben, dass sie ihren Weg finden können.

Wie viele gescheiterte Persönlichkeiten es aufgrund unserer Erziehungsformen gibt, mag man nur zu vermuten.

View all my reviews

Kommentar verfassen