Perlentaucher am Freitag: Alles, was wir geben mussten – Kazuro Ishiguro

Gabriela vom Buchperlenblog hat die wunderbare Aktion PERLENTAUCHER ins Leben gerufen.
Hier werden besondere Bücher vorgestellt. Bücher, die sich einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Alles, was wir geben musstenAlles, was wir geben mussten by Kazuo Ishiguro
My rating: 5 of 5 stars

KLAPPENTEXT

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen…


Ishiguro hat nicht umsonst dieses Jahr den Nobelpreis für Literatur erhalten. Seine Protagonisten sind meist Menschen, die ein besonderes Schicksal tragen.

Das ist es auch, was dieses dystophische Buch (und den daraus entstandenen Film – hier der Link zum Trailer) ausmacht. Eine heile Welt mit Kinder, die im Grünen aufwachsen, die in einem Internat leben. Die Lehrer, hier Aufseher genannt, bringen ihnen alles für das Leben da draussen bei.

Nur, was ist das Leben da draussen? Keiner kennt es. Und keiner kam je zurück, um davon zu erzählen.

Die Kinder sind Organspender. Das Internat ist eine Farce und irgendwann wissen alle, welches Schicksal sie erwartet. Es entstehen wundervolle Freundschaften und sogar die Verliebtheit kommt nicht zu kurz. Nur hat diese aufgrund des geplanten Lebensweg keine Aussicht auf ein glückliches Ende.

Schon nach wenigen Seiten wird einem klar: Es geht hier nicht mit rechten Dingen zu.
Obwohl man die Einzelheiten, der Umgang miteinander, die Andeutungen Kathys und die Unterhaltungen zwischen den Kollegiaten, ohne den Blick über das große Ganze nicht versteht, spürt man deutlich, dass hier mehr dahinter steckt.
Jeder weiss, was passiert und jeder arrangiert sich damit – irgendwann.

Und das ist es, was ich an diesem Buch so erschreckend finde. Die Protagonisten kapitulieren irgendwann, geben sich dem Schicksal hin. Sollten wir wirklich irgendwann soweit kommen, und uns solcher „Dinge“ bedienen müssen? Ich hoffe wirklich nicht. Dennoch ist Ishiguros Roman sehr zeitgemäß, denn er legt die Handlung in den 70er Jahren an und wer diese Zeit erlebt hat, kann sich sehr gut gedanklich in das Buch hineinversetzen.

Dieses Buch ist für mich eine absolute Perle und eine Leseempfehlung, die ich so gerne weiter geben, auch wenn es für viele vielleicht „schwere“ Literatur aufgrund des Themas ist.

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