Eine Insel zwischen Himmel und Meer – Lauren Wolk

Eine Insel zwischen Himmel und MeerEine Insel zwischen Himmel und Meer by Lauren Wolk
My rating: 4 of 5 stars

„Crow hat ihr ganzes Leben auf einer winzigen Insel verbracht. Sie wurde, kaum ein paar Stunden alt, in einem lecken kleinen Boot an den Strand gespült. Osh, der einzige Bewohner der Insel, hat sie gerettet. Bei ihm ist Crow aufgewachsen. Nur eine hat ihm dabei geholfen, die couragierte und liebevolle Miss Maggie. Alle anderen Menschen halten sich von dem Mädchen fern. Immer schon wollte Crow wissen, woher sie stammt und warum man sie fortgeschickt hatte.“

Crow ist clever. Sie und Osh leben auf einer kleinen Insel in ärmlichen Verhältnissen. Glücklich und zufrieden sind sie – wäre das nicht Crows Wunsch, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Denn sie wurde in einem kleinen Boot an die Küste gespült. Osh nahm sie auf und zog sie gross, brachte ihr alles bei. Und trotzdem möchte Crow wissen, woher sie stammt. Etwas von der sogenannten „Leprainsel“ die man am Horizont sieht. Oder kam sie gar noch von weiter her?

Crow möchte das Geheimnis ergründen und lernt dabei, dass Familie nicht unbedingt die Menschen sind, die einem geboren haben. Man ist dort zuhause, wo man geliebt wird.

Lauren Wolk hat das Buch als Jugendbuch deklariert. Dem kann ich nur bedingt zustimmen, denn ich denke nicht, dass Zwölfjährige Mobilekids sich in das Seelenleben eines Kindes im Jahr 1925 und der Armut vor Ort versetzen können.

Trotzdem ist das Buch gelungen. Es ist geprägt von einem starken Charakter und tollen Nebenprotagonisten. Für eine Wochenendlektüre ist es durchaus geeignet.

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WUNDER – R.J. Palacio

WunderWunder by R.J. Palacio
My rating: 5 of 5 stars

„Ich weiß, dass ich kein normales, zehnjähriges Kind bin. Ich esse Eis. Ich spiele Ball. Ich fahre Fahrrad. Ich fühle mich normal. Innerlich. Aber ich weiß, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen. Ich weiß, normale Kinder werden nicht angestarrt, egal, wohin sie gehen.“

August – Auggy – ist seit seiner Geburt entstellt. Er musste 17 Operationen hinter sich bringen um ein halbwegs normales Aussehen zu haben. Halbwegs, wie gesagt. denn dicke Narben ziehen sich durch sein ganzes Gesicht. Seine große Liebe gehört der Naturwissenschaft. Er will irgendwann ins Weltall fliegen. Das ist sein großer Wunsch. Und so ist ein Weltraumhelm sein liebster Besitz. Er beschützt ihn vor den Blicken der Menschen, er versteckt seine Gefühle. Sein sehr sarkastischer Humor und seine Tagträume retten ihn sehr oft vor unangenehmen Situationen und machen sie so erst erträglich.

Auggies Familie ist wundervoll. Seine Mutter unterrichtet ihn. Für seinen Vater gibt es keinen tolleren Sohn. Seine Schwester Via liebt ihn abgöttisch.

Dann soll Auggie endlich eine normale Schule besuchen – ohne Helm. Damit beginnt für ihn ein wundervolles und auch gefühlvolles Abenteuer.

Er findet Freunde – Jack – der ihn vor den Zugriffen der anderen schützt – und dann doch enttäuscht – um ihn wieder zu retten.
Summer – die kleine Heldin, die ihn einfach mag, weil Auggy so ist, wie er ist.

Im Parallelstrang des Buches erfahren wir mehr über Via, die Schwester Auggies, die für mich ebenfalls eine Heldin ist. Sie liebt ihn bis ins letzte – und steht komplett hinter Auggies Bedürfnissen zurück. Sie zerbricht fast daran, denn alles ist auf Auggie ausgerichtet. Wenn ihre Mutter sich endlich Zeit für sie nimmt, kommt ein Anruf von Auggies Schule dazwischen und Via sitzt im Endeffekt alleine zuhause. Wieder mal.

Via’s Halt in dieser Situation ist Justin, ein Mitschüler auf ihrer Schule. Er nimmt sie mit zur Theater AG, verliebt sich in sie.

Außerdem lernen wir noch Miranda kennen, einst Via’s beste Freundin. Gespickt mit Problemen und einer kaputten Familie. Verkauft sie doch in einem Sommercamp Auggy als ihren kleinen Bruder und zieht so die Interessen der anderen Mädchen auf sich.

WUNDER ist ein herzzerreißendes Buch. Voller Liebe und Probleme, voller Mißverständnisse und liebevoller Erklärungen. Voll mit einem genialen schwarzen Humor eines Zehnjährigen, der mehr Verständnis für seine Umwelt hat, als diese für ihn.

Ich habe Tränen geweint und gelacht. Ich hatte Gänsehaut und Magengrimmen. Ich habe dieses Buch geliebt. Ein Buch über Liebe und grenzenloses Vetrauen, dass einem klar macht, wie klein doch manche Probleme sind. Und dass alles im Leben einen Sinn ergibt.

Parallel zum Buch gibt es momentan auch eine Verfilmung – die ich natürlich auch gesehen habe. Der Film ist genauso wundervoll wie das Buch. Ich habe noch mehr geweint und noch mehr gelacht.

Buch und Film sind für mich absolute Highlights dieses Jahres.

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Wintergäste – Sybil Volks

WintergästeWintergäste by Sybil Volks
My rating: 3 of 5 stars

Link zum Buch: dtv-Verlag

Als ihre Schwiegertochter Inge Boysen für tot hält und deren Kinder und Kindeskinder benachrichtigt, machen sich alle auf den Weg.
Ein Sohn ist nicht erreichbar, während ein Enkel noch rechtzeitig erfahren konnte, dass die Großmutter sehr wohl quicklebendig ist.

Kurz vor dem Jahreswechsel versammelt sich die gesamte Familie auf der Nordseeinsel. Als sie sich wieder auf den Rückweg machen wollen, beginnt ein Schneesturm.
Haus Tide und seine Bewohner sind von der Außenwelt abgeschnitten. Drei Generationen unter einem Dach, aufeinander angewiesen in stürmischem Wetter, wenn sogar der Strom und die Telefone ausfallen – und die Gemüter beginnen zu kochen.

Alte Geschichten werden ausgegraben und auf den Tisch gelegt, die Emotionen sprengen jegliche gute Erziehung. Muss das Haus verkauft werden, wenn Inge stirbt? Was, wenn der älteste Sohn und Erbe stirbt? Oder wenn er vor seiner Mutter stirbt? Wer erbt dann?
Das und noch viel mehr Fragen tauchen auf, jeder der neun Bewohner hat seine eigenen Probleme mitgebracht mit auf die Insel gebracht. Probleme, die eigentlich nie so zu Sprache kommen sollten…

Alles in allem ein Familienroman. Und trotzdem ist es mir schwer gefallen, einen Tiefgang zu finden.
Es mag auch an der Personenanzahl liegen – Inge, 3 Kinder und 2 Ehepartner, 3 Enkelkinder.
Jeder hat Leichen im Keller und doch sprang der Funke nicht so toll über.

Es ist ein Buch mit dem man sehr gut ein verregnetes Wochenende überbrücken kann.

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„Ein Mensch brennt“ – Nicol Ljubic

Ein Mensch brennt: RomanEin Mensch brennt: Roman by Nicol Ljubic
My rating: 2 of 5 stars

KLAPPENTEXT:

Aufrüttelnd und provokant, zugleich warmherzig und witzig

Wenn es um Fußball geht, kann man dem zehnjährigen Hanno Kelsterberg nichts vormachen. In Sachen Protest allerdings auch nicht. Seit zwei Jahre zuvor der asketische Hartmut Gründler ins Souterrain der Familie zog und sich als unbeugsamer Politkämpfer entpuppte, steht Hannos einst heile Welt auf dem Kopf. Statt Fußball zu spielen, muss er nun mit zu Demos und verteilt Handzettel. Während der Vater den Mann im Keller zunächst belächelt, gerät die Mutter in den Bann des kompromisslosen Idealisten, die Ehe zerbricht. Ein provokanter und berührender Roman über eine Familie, die unversehens von der Zeitgeschichte gestreift wird.
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Als Kind der 70er wird man immer wieder mit Atomgegner, RAF (Hast Du das auch erlebt?) konfrontiert.
Ich bin ehrlich – mit hat als Kind weder die RAF noch die Atomgegner interessiert. Also dachte ich, ich lese einen Buch über Hartmut Gründler, den Atomgegner, der sich verbrannt hat und baue eine Verbindung zu meiner Vergangenheit auf. Auf politische Widerstände, auf Gewalttaten auf… tja…

Nur irgendwie habe ich bis jetzt immer noch keine Verbindung gefunden. Geschweige denn, fand ich den Roman interessant oder mich zu ihm geschichtlich hingezogen.

Von daher bitte ich die geneigte Leserschaft sich selbst ein Urteil zu bilden, im Netz nach Rezensionen zu suchen, die mehr den Sinn beschreiben. Das Buch war definitiv nichts für mich.

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„Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“ – William Saroyan

Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich: StorysWo ich herkomme, sind die Leute freundlich: Storys by William Saroyan
My rating: 3 of 5 stars

William Saroyan wurde als Aram Saroyan als Kind armenischer Einwander in New York geboren. Seine Liebe galt von Kind an der Schreiberei. Er sammelte Geschichten, wie andere Edelsteine und schrieb sie nieder….
So weit, so gut. Die Wiederentdeckung dieser Geschichten ist mit Sicherheit für viele hochinteressant. Nicht vergessen darf man dabei, dass die Geschichten im Stil der 30er Jahre geschrieben sind, den Lebensstil beschreiben, die Armut, die Wetterei, die Möglichkeiten Geld zu machen.

Damit können wir uns heute überhaupt nicht mehr identifizieren. Wer sich für die Geschichte der 30er in den Zeiten der Massenarbeitslosigkeit und der Prohibition interessiert ist hier gut aufgehoben. Saroyan gibt Einblicke in das Leben der Einwanderer und armen Menschen, über Eigenheiten und Möglichkeiten.

Das Buch war ein netter Zeitvertreib, mehr aber auch nicht.

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Der unerhörte Wunsch des Monsieurs Dinsky – Jean-Paul Didierlaurent

Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky: RomanDer unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky: Roman by Jean-Paul Didierlaurent
My rating: 4 of 5 stars
256 Seiten
Link zum Verlag – dtv


Danke an dtv  für das Rezensionsexemplar.
KLAPPENTEXT:

Eine Reise zurück ins Leben
 

Ambroise Lanier, Ende zwanzig, hat seine Berufung gefunden: Er möchte dem Menschen seine Würde bewahren und arbeitet darum als ? Leichenpräparator. Auch Manelle Flandin liegt die Würde ihrer Mitmenschen am Herzen. Rührend kümmert sich die junge Angestellte eines ambulanten Pflegedienstes um Senioren. Vermutlich hätten sich die Wege der beiden nie gekreuzt, wäre da nicht Samuel Dinsky: Als der 82-Jährige eine niederschmetternde Diagnose erhält, will er eine letzte Reise unternehmen. Zusammen mit Manelle und Ambroise. Durch einen wundersamen Zufall wird es eine Reise zurück ins pralle Leben.


Ich hatte mich nach „Macadam oder die Dame von Nummer 12“ wirklich auf das neue Buch von Jean-Paul Didierlaurent gefreut. Ich tue mich normalerweise schwer mit franz. Schriftstellern.
Aber Didierlaurent schafft es in einer wunderbaren Weise seine Charaktere detailliert zu beschreiben und doch nicht zu überzeichnen.

Sein Ambroise ist ein ein Meister seines Faches. Er liebt es, seine verstorbenen Kunden herzurichten. Ja er scheut sich auch nicht, einen verstorbenen als Clown anzuziehen und zu schminken. Denn das war dessen Berufung, wie seine Töchter zu berichten wissen. Wichtig ist, dass er dem Verstorbenen gerecht wird.

Manelle dagegen tut in den ihr verbleibenden 45 Minuten alles für ihre älteren Herrschaften und sieht auch gerne über Macken und Unwägbarkeiten hinweg.

Und dann wäre da Monsieur Dinsky. Krank, mit einem letzten Wunsch. Leider werden ihm, dem Namensgeber des Buches nur 60 der 256 gewidmet. Nicht, dass es dem Buch abträglich wäre.
Dazu schreibt Didierlaurent wirklich zu gut.

Aber irgendwie hätte ich mir mehr Zeit mit dem alten Herrn gewünscht. Daher auch nur vier Sterne für diesen zauberhaften und lesenswerten Roman.

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